EXTERNUM®-Wissenschaftliche Fakten

Wirbelsäulenhaltung auf dem RadBei einer optimalen Haltung auf dem Rad mit einem leicht nach vorn gebeugten Oberkörper gerät die Rückenmuskulatur unter Vorspannung und stabilisiert den Rumpf. Durch die zyklische Beinbewegung ergibt sich ein Reiz auf die Muskulatur besonders im Bereich des unteren Rückens, der Lendenwirbelsäule und dem Ilio- Sakral-Gelenk. Speziell in diesem Wirbelbereich kommt es zu den häufigsten Bandscheibenvorfällen und dort sind die Rückenschmerzen i. d. Regel angesiedelt.

Durch den muskulären Reiz wird diese gleichzeitig gekräftigt und sichert damit die Wirbelsäule gegen äußere Belastungen. Besonders der asymmetrische Reiz der Muskulatur durch die Tretbewegung beim Radfahren stimuliert die kleinen Muskeln an den Wirbelkörpern, die willkürlich über Gymnastik oder andere Trainingsformen nur schwer zu erreichen sind. Diese garantieren die so wichtige “segmentale (= auf 2 Wirbelkörper bezogene) Stabilität” der einzelnen Wirbelkörper untereinander und können so Rückenschmerzen und andere Probleme verhindern.

Projekt Wellcom, Zentrum für Gesundheit, Kompendium “Radfahren und Gesundheit”, Deutsche Sporthochschule Köln, Prof. Dr. Ingo Froböse

Beim Radfahren wird das Körpergewicht nicht über die Beine, sondern über den Sattel und teilweise auch über den Lenker zum Boden geleitet (…) auch die Wirbelsäule profitiert vom Radfahren (…) Der Vorteil besteht darin, dass die Wirbelsäule durch Abstützung des Oberkörpers auf dem Lenker wenigstens teilweise entalstet wird. Außerdem kann man bei entsprechender Lenker- und Satteleinstellung den Körper in die wirbelsäulenentlastende Stufenhaltung bringen. (…) Radfahren als Breitensport oder als reines Mittel zur Fortbewegung stellt eine sehr wirbelsäulenfreundliche Betätigung dar (Note 1).

Wirbelsäule und Sport Ð Empfehlungen von Sportarten aus orthopädischer und sportwissenschaftlicher Sicht, J. Krämer/A.Wilcke/R.Krämer, Deutscher €rzte Verlag

Betrachtet man die Rolle der Rücken- und Rumpfmuskulatur in Bezug zur Funktion der Wirbelsäule werden zwei Funktionsbereiche deutlich:

1) Bewegungsfunktion – Muskulatur wird in Synergie mit der Extremitätenmuskulatur eingesetzt, um die Wirbelsäule entsprechend der durch Bewegungsaufgaben und umweltentstehenden Anforderung zu bewegen.
2) Haltungsfunktion – Die Muskulatur wird eingesetzt, um die Wirbelsäule bzw. den gesamten Rücken bei der Fortbewegung bzw. bei Bewegungen der Extremitäten aufrecht und stabil zu halten.

Gerade der letzten Komponente wird im Sinne der komplexen Steuerung und Aktivierung der Muskulatur zunehmend Aufmerksamkeit geschenkt. So wird die Bedeutung der wirbelsäulennahen Rückenmuskulatur sowie ihren stabilisierenden Synergisten der wirbelsäulenferneren Rücken- und Bauchmuskulatur vor allem die Fähigkeit zur Aufrechterhaltung der Wirbelsäulenhaltung unter ständig variierenden Umgebungsbedingungen zugeschrieben.

Panjabi, M.M. (1992a), The Stabilizing System of the Spine. Part I. Function, Dysfunction, Adaptation and Enhancement, Journal of Spinal Disorders, 4, 383-389

Ihre Gesundung hängt davon ab, dass Sie Ihren Rücken wieder bewegen und mit ihm arbeiten und zu normaler Funktion und Fitness zurückkehren. Je schneller Sie aktiv werden, desto eher wird Ihr Rücken wieder fit!

Übergeordnete Ziele bewegungsbezogener Intervention mit dem Ziel der Prävention von Rückenschmerzen:
1. Die Vermittlung von Wissen über Hintergründe und den Umgang mit Rückenschmerz zum Aufbau individueller Verhaltens- und Handlungskompetenzen in Rückenschmerzepisoden. 2. Die Hinführung zu und die überdauernde Bindung an mehr eigenständig durchgeführte körperliche Aktivität und damit verbunden 3. die Verbesserung der gesundheitsbezogenen Fitness bzw. die Vermeidung/Reduktion einer Dekonditionierung (Teilziel: Verbesserung der allgemeinen körperlichen Fitness im Sinne einer Förderung physischer Gesundheitsressourcen z.B. auch durch Fahrradfahren)

Expertise zur Prävention von Rückenschmerzen durch bewegungsbezogene Intervention, Prof. Dr. K. Pfeifer, Magdeburg, Juni 2004

Für den Einsatz in der Rückenschule bieten sich Sportarten an, deren Belastungsumfang und -intensität individuell steuerbar sind und deren Belastungscharakter den Anforderungen rückengerechter Bewegung entspricht, z.B. (…) Radfahren… Für das Radfahren sind folgende Kriterien genannt: (…) Der Lenker sollte höher sein als der Sattel, um eine aufrechte Körperhaltung zu gewährleisten. (…) Sattel gepolstert, “dicke” Bereifung (=Stoßdämpfung).

Weiterbildung Rückenschullehrer/in, Forum gesunder Rücken – besser leben e.V., nach den Richtlinien der KddR (Konföderation der deutschen Rückenschulen), Januar 2005