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„Was ist mit Geometrie eines Rahmens und einer Gabel überhaupt gemeint? Und was hat das für eine Bedeutung für ein rückenfreundliches Fahrrad?“ werden Sie sich fragen. Ein Rahmen, der zu Ihrem Körper passt und für den Einsatzbereich zugeschnitten ist, wird Ihnen viel Freude bereiten. Heißt das etwa, man sollte sich am besten für viel Geld einen Rahmen nach Maß bauen lassen!? Dies kann im Einzelfall sinnvoll sein, aber es gibt sogar genügend Beispiele, die mit dem theoretisch zugeschnittenen Rahmen in der Praxis große Probleme in der Handhabung hatten.

Die Geometrie eines Rahmens wird letztendlich nur durch einige Maßpunkte bestimmt: Abstandsmaße zwischen den Achsmitten und Tretlager, die Tretlagerhöhe, das Gabeleinbaumaß, der Lenk- und Sitzrohrwinkel, der Zusammenhang zwischen Rahmenhöhe und Oberrohrlänge, etc.

Bevor ein Rahmen- oder Gabelhersteller überhaupt zum Alu- oder Stahlrohr greift, wird zuallererst eine Zeichnung erstellt. Diese Zeichnung spiegelt alle Maßverhältnisse des Rahmens wider und wird in der Regel mit entsprechenden Zeichnungsprogrammen (z.B. Autocad) umgesetzt.

Fangen wir mit dem einfachen Maß der Tretlagerhöhe an. Dieses Maß beschreibt den senkrechten Abstand vom Boden bis zur Tretlagermitte. Insbeson- dere für komfortorientierte Fahrräder wird die Tretlagerhöhe so weit wie möglich abgesenkt (ca. 280 mm). Dies erleichtert das Aufsteigen und bringt Sicherheit beim Absteigen! Maße jenseits von 320 mm deuten z.B. darauf hin, dass ein Rahmen mit einer Federgabel ausgestattet worden ist, obwohl die eigentliche Geometrie dies gar nicht vorsieht. In so einem Fall ist das Fahrverhalten deutlich entfremdet!

Zahlreiche Hersteller von komfortorientierten Fahrrädern nutzen für Einrohrrahmen Sitzwinkel im Bereich von 69-70°. Dies hat den Effekt, dass Sie recht weit vom Lenker entfernt sitzen und Ihre Wirbelsäule unnötigerweise belasten. Ein größerer Sitzwinkel von ca. 73°sorgt dafür, dass der Kraftfluss optimiert wird und der Schwerpunkt Richtung Körpermitte wandert. Durch die aufrechtere Sitzweise wird ein zwanghafter Rundrücken vermieden, so dass die Lungenfunktion weniger eingeschränkt ist. Die Nähe zum Lenker bleibt im Verlauf der Wirbelsäule auf natürlichere Art erhalten. Zusätzlich werden Spannungen in den Kreuz-Darmbeingelenken minimiert! Ein steilerer Sitzwinkel hat darüber hinaus den Vorteil, dass möglicherweise eingesetzte oder nachgerüstete Federsattelstützen im Ansprechverhalten wesentlich sensibler reagieren. Somit trägt der optimierte Sitzwinkel auch hier zu höherem Fahrkomfort und geringerem Verschleiß der Federsattelstützen bei.

Ein flacherer Lenkwinkel von ca. 70° sorgt dafür, dass die Lenkereinheit und Sattel noch etwas näher aneinander rücken! Daraus resultiert eine bessere Beherrschbarkeit der Lenkerfunktionalitäten wie Schalt- und  Bremshebel. Aus anatomischer Sicht wird eine weitere Vermeidung des Rundrückens und tendenziell Entspannung für Lenden- und Brustwirbelbereich erreicht. Der oben angesprochene Lenkwinkel und auch der Sitzwinkel kann am Komplettrad nicht ohne größeren Aufwand präzise ermittelt werden. Kontaktieren Sie zur Überprüfung im Zweifel den Hersteller!

Die Optimierung des Sitz- und Lenkwinkels muss im Gesamtkonzept eine Anpassung der Vorderbau- und Hinterbaulänge beinhalten. Die Vorderbaulänge (Maß von Mitte Vorderradachse bis Mitte Tretlager) ist ein wichtiges rahmenhöhenabhängiges Maß. Dieses Maß sollte tendenziell mit der Rahmenhöhe „mitwachsen“, um den entsprechend groß gewachsenen Nutzern neben mehr Beinfreiheit auch eine Portion Arm- bzw. Oberkörperfreiheit zu gönnen. Den unteren Grenzwert des Vorderbaumaßes stellt zwanghaft den sinnvollen und nötigen Abstand zwischen nach vorn stehender Pedale und (insofern vorhanden) dem Vorderradschutzblech dar. Hier sollten Sie genug Fußfreiheit haben und nicht bei jeder Lenkbewegung durch störende und hervorstehende Schutzblechstreben eingeschränkt sein. Im Allroundradbereich ergeben sich in dieser Form in Abhängigkeit von der jeweiligen Rahmenhöhe Maße von ca. 620 – 660 mm. Im Komfortradbereich überschreitet die Vorderbaulänge leider auch mal gerne 660 mm. Leider insofern, dass für Patienten mit Beschwerden in der Wirbelsäule zur Schonung des Rückens ein tiefer und komfortabler Einstieg mit möglichst kurzer Vorderbaulänge kombiniert werden sollte. Die Hinterbaulänge (Maß Mitte Hinterradachse bis zur Mitte Tretlager) bewegt sich im komfortorientierten Bereich zwischen 450 und 480 mm.

Das Gabeleinbaumaß (Maß von Mitte Vorderradachse bis zur Unterkante des Steuerrohres) ist für das Fahrverhalten ein entscheidender Faktor. Es wird vor allen Dingen dann zu einem entscheidenden Faktor, wenn eine Gabel montiert wird, die gemäß der Basiszeichnung eines Rahmens nicht vorgesehen ist. Im Zuge des Komfortgedankens halten entsprechende Federgabeltypen Einzug, die teilweise einen Federweg von bis zu 80 mm aufweisen. Sie können sich vorstellen, dass die Nutzung einer solchen Federgabel mit einem Einbaumaß von 490 mm in einem Rahmen, der für eine starre Gabel und einem entsprechenden Einbaumaß von 420 mm vorgesehen ist, das Fahrverhalten des Fahrrades total entfremdet.

Neben der detaillierten Maßvielfalt stellt selbstverständlich die Rahmenhöhe einen wichtigen Punkt dar, damit Sie sich auf dem Rad wohl fühlen und es zu Ihnen „passt“. Zu diesem Zweck wird bei Ihnen die „innere“ Beinlänge ausgemessen (Vorgehensweise: ohne Schuhe stehend eine Wasserwaage „in den Schritt klemmen“ und bei horizontaler Ausrichtung das Maß vom Boden bis zur Oberkante der Wasserwaage abnehmen) und mit dem Faktor 0,67 multiplizieren. Dies ist eine grobe Maßbasis für die Länge des Sitzrohres. Machen Sie sich keine Sorgen, wenn Sie nach sorgfältiger Berechnung nicht die exakte Rahmenhöhe bei Ihrem Wunschrad finden. Grundsätzlich bieten kleinere Rahmenhöhen tendenziell eine höhere Stabilität, welches im Zweifelsfall als zusätzliches Entscheidungskriterium dienen kann. Zu vermeiden ist generell der Einsatz von zu hohen Rahmengrößen! In diesem Fall wird eine mögliche seitliche Kippbewegung des Beckens im Lendenwirbelbereich provoziert und bringt unnötig Unruhe in den Oberkörper.

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