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Ich möchte vorweg betonen, dass das Fahrradfahren eine physiotherapeutische Behandlungsform bei akuten Rückenschmerzen nicht ersetzen kann! Fahrradfahren kann diese, zunächst auf alltägliche Art und Weise und besser als jedes andere Fortbewegungsmittel, ergänzen. Hinzu kommt der Ansatz, dass Fahrrad möglicherweise als „Sportgerät“ zu nutzen, um von den vielen positiven, medizinischen und gesundheits-orientierten Ansätzen des Fahrradfahrens zu profitieren.

Radfahren eignet sich hervorragend für ein leichtes Ausdauer- und Atemtraining. Im Rahmen der Medizinischen Trainingstherapie (MTT) wird beispielsweise durch das Fahrradfahren gezielt rekonditioniert. Die Wirbelsäulen- und Gelenkbeweglichkeit sowie die Vitalkapazität werden deutlich verbessert. Grundsätzlich gilt: Fahrradfahren als Therapieform trainiert Herz, Kreislauf und entlastet vor allen Dingen gewichttragende Gelenke.

 

Hinzu kommt der unmittelbare Zusammenhang zwischen Aufbau der Rückenmuskulatur und Fahrradfahren. Durch die abwechselnde Auf- und Abbewegung der Beine wird beim Radfahren auch die Muskulatur stimuliert und trainiert, die für die Segmentale Stabilisation (Stabilisierung der Wirbelsäule als Ganzes über die kleinen tiefen Muskeln zwischen den einzelnen Wirbelkörpern) verantwortlich ist. Diese Muskulatur ist willkürlich nur schwer zu aktivieren, da sie für die automatische und unbewusst stattfindende Haltungskontrolle an der Wirbelsäule zuständig sind. Allerdings kann man sie indirekt ansprechen, z.B. über (Dehnungs-) Reize an ihren Muskelspindeln (Rezeptoren), über das Erzwingen von ständigen kleinsten Balance-Aktionen usw., wie sie beim Fahrradfahren nötig sind. Vor diesem Hintergrund eignet sich Fahrradfahren hervorragend zum Muskelaufbau und zur Stabilisierung der Wirbelsäule. Allerdings spielt die aufrechtere Sitzposition in diesem Zusammenhang eine entscheidende Rolle (Oberkörper leicht nach vorn geneigt/Beckenkippung beachten!).

 

Zu beachten ist die Sitzposition ebenfalls, um positive Effekte auf unsere Bandscheibenstruktur zu erzielen. Bekanntermaßen werden Bandscheiben nicht durchblutet, sondern werden durch abwechselnde Zug- und Druckbelastungen mit Nährstoffen versorgt. Dies ist verständlicherweise auch einer der Gründe, warum grundsätzlich Bewegung mit und auch ohne Wirbelsäulenbeschwerden als Prophylaxe zur Erhaltung der Elastizität von Bandscheiben sehr hilfreich ist. Fahrradfahren mit einer geeigneten Sitzposition sorgt dafür, dass die Wirbelsäule in Bewegung bleibt und auch kleine Stöße des Fahrbahnuntergrundes die Zug- und Druckbelastungen der Bandscheiben unterstützen. Wichtig ist verständlicherweise, dass die Fahrbahnstöße zunächst von den Fahrradkomponenten gedämpft werden und nicht ausschließlich von der Wirbelsäule ertragen werden müssen.

 

Zusammengefasst können wir festhalten, das es neben einem hohen Spaßfaktor schon allein aus medizinischer Sicht, und mit Bezug auf die zahlreichen Formen der Wirbelsäulenerkrankungen, zahlreiche Gründe gibt, das Fahrrad noch intensiver zu nutzen. Die richtige Einstellung vorausgesetzt!

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  • Winfried Geiger

    Sehr geehrter Herr Switalla
    Ich bin Physiotherapeut mit eigener Praxis und leidenschaftlicher Alltagsradler. Ich würde gerne das Radfahren auch beruflich stärker berücksichtigen, und habe deshalb Ihre Artikel mit Interesse gelesen. Wenn die Möglichkeit bestünde, auch eventuelle folgende Artikel direkt zu erhalten oder sonstige Informationen zu diesem Thema, so wäre ich dankbar.
    Mit freundlichem Gruß
    Winfried Geiger

  • Christian Klein

    Sehr geehrter Herr Switalla,

    ein wirklich ansprechender Artikel. Eine Freundin hat Rückenbeschwerden und überlegt auch Rad zu Fahren. Stimmen Sie mit mir überein, dass bei Rückenproblemen eine Rahmenfederung eine gute Überlegung ist?

    Sie sprechen von einer aufrechten Sitzposition, das würde bei Rückenbeschwerden also auch gegen Liegeräder sprechen?

    Über eine Antwort würde ich mich sehr freuen.

    Liebe Grüße
    Christian Klein

    • Martin Switalla

      Hallo Herr Klein, vielen Dank für Ihre Zuschrift. Radfahren ist im Falle von Rückenschmerzen in der Regel eine sehr gute (ergänzende) Therapie. Je nach Beschwerdebild soll und darf auch das Fahrrad eine zusätzliche Dämpfung bieten, wobei unser langfristiges Ziel immer die Aktivierung der körpereigenen Dämpfung (sprich Muskelaufbau) beinhaltet. Unter dem Aspekt ist es ok, wenn das Fahrrad als solches eine Grunddämpfung bietet (z.B. breitere Reifen, möglicherweise ergänzend eine Federsattelstütze). Ein Fahrradkonzept mit einer Rahmenfederung provoziert leider in zahlreichen Fällen physiologische Fehlhaltungen auf dem Fahrrad. Und zugegebenermaßen gibt es ganz wenige Anbieter in Deutschland, die überhaupt noch gute Rahmenfederungen produzieren. Auch eine Liegeradnutzung kann im Einzelfall auch bei Rückenschmerzen sinnvoll sein. Bei der Liegeradnutzung wird vor allem die untere Rücken- und auch die gerade/schräge Bauchmuskulatur aktiviert. Zwar werden andere Muskelpartien vernachlässigt, aber auch das Liegeradfahren hat positive Effekte. Die EXTERNUM typische Sitzpositionsempfehlung (relativ aufrecht, leichte Vorneigung, moderate Beckenkippung) sorgt für eine recht gleichmäßige muskuläre Belastung und insgesamt entspannte Sitzposition.

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